Reviews by larsen1

Mhh … ordentlich bis langweilig trifft es ziemlich gut. Das Album hat diese schwere, dramatische Elton‑John‑Theatralik, die manchmal funktioniert – vor allem in „Tiny Dancer“, das natürlich herausragt. Aber vieles wirkt hier eher wie solide Handwerkskunst ohne echten Funken. Die Arrangements sind üppig, die Songs sauber gebaut, doch der Mittelteil zieht sich und verliert Spannung.

The Man WhoTravis

Rated 8/10

Es ist dieses leise, britische Melancholie‑Album, das ohne große Gesten hängenbleibt. Die Songs wirken wie Regen auf Asphalt – unspektakulär, aber genau richtig. „Writing to Reach You“ und „Why Does It Always Rain On Me?“ tragen das Ganze mit warmem, unaufgeregtem Songwriting. Kein Feuerwerk, aber ein Album, das man immer wieder gern anmacht.

Es hat mich nie komplett abgeholt. Einzelne Momente – „Loaded“, „Movin’ On Up“ – zünden sofort und tragen diese euphorische 90er‑Rave‑Stimmung. Aber als ganzes Album wirkt es für mich oft zu verstreut, zu lang, manchmal eher wie eine Sammlung von Ideen als ein klarer Flow. Die Atmosphäre ist einzigartig, und ein paar Songs bleiben hängen.

1977Ash

Rated 8/10

Als Ash 1996 ihr Album 1977 veröffentlichten, war sofort klar, dass hier drei Teenager aus Downpatrick etwas Ungestümes, Charmantes und absolut Zeittypisches eingefangen hatten. Die Mischung aus Britpop‑Energie, Pop‑Punk‑Drive und einem Hauch Garage‑Rock wirkt wie ein destillierter Moment der 90er‑Jugendkultur – impulsiv, melodieverliebt und ohne jede Ironie. Wikipedia

Songs wie „Girl From Mars“, „Goldfinger“ und „Kung Fu“ sind bis heute kleine Hymnen, die das Album tragen: eingängig, verspielt und voller jugendlicher Übermut.

Es ist das letzte große, gemeinsame Aufbäumen der Beatles – poliert, melodisch, technisch auf höchstem Niveau. Das Album wirkt wie eine Band, die weiß, dass sie auseinanderdriftet, aber noch einmal alles an Präzision und Harmonie in die Waagschale wirft. „Come Together“ eröffnet mit ikonischer Coolness, „Something“ zeigt George Harrison auf seinem emotionalen Zenit, und das Medley auf Seite zwei ist ein kunstvoll verzahntes Finale, das die kreative Kraft der Gruppe bündelt.

Es verbindet modernen Touch mit bodenständigem Country‑Feeling. Die Platte besticht durch rauchige Vocals, starke Songideen und eine authentische, erdige Atmosphäre. Besonders die Songtexte und die intime Erzählweise bleiben im Gedächtnis. Ein solides, charakterstarkes Album für Hörer, die handgemachten Country mit zeitgemäßer Note schätzen — nicht ganz makellos, aber mit viel Seele.

Es ist ein Album voller Ideen, aber nicht jedes davon zündet. Hendrix’ Gitarrenspiel ist natürlich überragend, doch die Platte wirkt oft wie ein Übergangswerk: weniger roh als Are You Experienced, aber auch nicht so visionär wie Electric Ladyland. Viele Songs schweben im psychedelischen Wohlklang, ohne echten Druck oder Fokus.

lange Jams, verzerrte Gitarren, viel Raum, wenig Überraschung. Genau darin liegt aber auch das Problem – es ist solide, aber unspektakulär, fast schon stoisch im eigenen Groove. Ein ehrliches, raues Album ohne besondere Höhepunkte.

Butterfly hat starke Momente, aber für mich wirkt es oft wie ein sehr glattes, sehr 90s‑R&B‑Popalbum, das mehr Atmosphäre als echte Highlights liefert.

ThirdPortishead

Rated 6/10

Der kalte, zerfranste Sound ist spannend, Beth Gibbons klingt wie ein Gespenst im Nebel – aber vieles bleibt für mich eher Kopfmusik als etwas, das hängenbleibt.

DamagedBlack Flag

Rated 6/10

Das Album trifft mich eher als Zeitkapsel denn als Genuss. Die Wut ist echt, der Sound roh, aber vieles wirkt heute mehr wie ein chaotischer Schlag ins Gesicht als wie Musik, die ich freiwillig nochmal anmache.

Es ist Motörhead in Reinform: laut, dreckig, kompromisslos. Der Titeltrack ist ein unsterbliches Geschoss, aber das restliche Album rauscht oft eher als es wirklich packt. Roh, energisch, aber auch etwas eintönig.

Viva HateMorrissey

Rated 10/10

ist Morrissey in Reinform: bitter, schön, melodisch – ein Album, das seine eigene kleine Welt baut und dich sofort hineinzieht.

„Everyday Is Like Sunday“ steht dabei wie ein Denkmal: diese weite, salzige Melancholie, der langsame Wellengang der Streicher, Morrisseys Stimme zwischen Resignation und Größe. Ein Song, der alles einfängt, was ihn einzigartig macht.

Ein Debüt, das nicht nur überzeugt, sondern glänzt – zeitlos, scharf, wunderbar eigensinnig. 😊👍

„Bengali in Platforms“ ist einer der Songs, an denen sich Morrisseys Werk exemplarisch entzündet: provokant, ambivalent, bewusst unbequem. Der Track aus Viva Hate (1988) ist kein Hasslied, sondern ein Stück, das die Spannung zwischen kultureller Identität, Integration und Selbstinszenierung im England der späten Achtziger sichtbar macht.

Morrissey beschreibt eine Figur – einen jungen Mann bengalischer Herkunft –, der versucht, in einer britischen Subkultur Fuß zu fassen, aber dabei in eine Art tragikomische Außenseiterrolle rutscht. Die berühmte Zeile “He only wants to impress you” zeigt bereits, dass es Morrissey nicht um Abwertung geht, sondern um Verlorenheit: ein Mensch, der dazugehören will, aber die Codes der Umgebung nicht beherrscht.

Der oft zitierte Vorwurf des Rassismus greift hier zu kurz. Morrissey attackiert nicht die Herkunft des Mannes, sondern die Oberflächlichkeit einer Gesellschaft, die Integration fordert, aber gleichzeitig kaum Orientierung bietet. Die „albernen Schuhe“ sind kein ethnisches Urteil, sondern ein Symbol für fehlgeleitete Anpassung – ein Versuch, britische Coolness zu imitieren, der am Ende niemandem hilft: nicht dem Einzelnen, nicht seiner Herkunftskultur, und auch nicht der Mehrheitsgesellschaft.

Der Song ist damit weniger Anklage als Beobachtung. Morrissey zeigt ein Problem, ohne eine Lösung zu liefern – und genau das macht das Stück so typisch für ihn. Er ist kein Sozialarbeiter, kein Politiker, sondern ein Künstler, der Widersprüche offenlegt. Seine Stärke liegt darin, Unbehagen auszudrücken, nicht darin, Antworten zu geben.

Musikalisch bleibt „Bengali in Platforms“ ein melancholisches, leicht schwebendes Stück, das die Einsamkeit der Figur unterstreicht. Die Melodie wirkt fast freundlich, während der Text die Härte der Realität freilegt. Diese Spannung macht den Song bis heute interessant: Er zwingt dazu, über Integration, Zugehörigkeit und kulturelle Selbstbehauptung nachzudenken – Themen, die 1988 wie 2026 gleichermaßen relevant sind.

Fazit:
„Bengali in Platforms“ ist kein rassistisches Statement, sondern ein Porträt eines Menschen zwischen zwei Welten. Morrissey zeigt die Bruchstellen einer Gesellschaft, die Integration fordert, aber Orientierung verweigert. Der Song bleibt provokant, weil er keine einfachen Antworten liefert – und gerade deshalb ist er ein starkes Stück Kunst.

Es wirkt heute wie ein minimalistisches Zukunftsmanifest aus der Frühzeit der elektronischen Musik. Die sechs Parts bauen eine kühle, aber zugleich organische Atmosphäre auf – Synthesizer, die nicht protzen, sondern atmen. Besonders die schimmernden Sequenzen in Part II und die weiten, fast kosmischen Flächen in Part IV zeigen, wie visionär Jarres Sounddesign damals war.

Es klingt wie ein nächtlicher Blick über eine leere Stadt: kühl, elegant, distanziert. Die Blue Nile bauen eine Atmosphäre, die beeindruckt, aber manchmal auch zu sehr im Nebel bleibt. Stark in Stimmung, schwächer in Dynamik.

EVOLSonic Youth

Rated 6/10

Es markiert den Moment, in dem die Band ihren Lärm bändigt und erstmals echte Songformen andeutet. Der Sound ist kühl, kantig, atmosphärisch – aber nicht immer nachhaltig. Vieles wirkt wie ein spannender Übergangszustand: interessant, gut gemacht, doch selten wirklich einprägsam.

Es wirkt heute wie der etwas träge Startschuss für das, was später als Chill‑ und Downtempo‑Ästhetik groß wurde. Die warmen Loops und entspannten Beats haben Charme, aber vieles plätschert eher vor sich hin, ohne echte Tiefe oder Spannung aufzubauen. Man hört den Ansatz, aber noch nicht die Reife

Lenny Kravitz noch vor dem Stadion‑Bombast: warm, retro‑soulige Grooves, ein bisschen Hippie‑Pathos, viel Charme. Das Debüt klingt wie ein lässiger Jam, der mehr Gefühl als Perfektion sucht – und genau dadurch überzeugt.