Reviews by larsen1

Es ist kein Totalausfall, aber es schrammt oft gefährlich nah daran vorbei. Ice‑T wollte 1991 das große Manifest des Gangsta‑Rap liefern – und man hört den Anspruch. Nur leider auch die Schwächen: Das Album ist überlang, zerfasert, und viele Tracks wirken eher wie rohe Skizzen als wie zwingende Statements. Zwischen einzelnen starken Momenten liegt viel Füllmaterial, das heute eher museal als kraftvoll wirkt.

RepeaterFugazi

Rated 4/10

Post Hardcore in ihrer rohesten, kantigsten Form: politisch geladen, rhythmisch vertrackt, kompromisslos. Genau das macht das Album aber auch sperrig – viele Songs wirken eher wie Skizzen eines Ideals als wie vollständig ausgearbeitete Stücke. Die Energie ist da, die Haltung sowieso, aber der Funke und Struktur springen zu selten wirklich über.

Es ist Turbonegro auf maximalem Glam‑Punk‑Krawall: grell, dreckig, überdreht und voller ironischer Stadion‑Attitüde. Einige Songs zünden sofort, andere wirken eher wie stilisierte Pose. Rotzig, kultig, aber nicht durchgehend stark.

Femi KutiFemi Kuti

Rated 4/10

Es liefert soliden Afrobeat, bleibt jedoch stilistisch stereotypisch - wie die Jute auf dem Cover - und entwickelt kaum eigene Akzente und Zero “Wow-Momente”.

Die 60er Mischung aus Avantgarde, Bossa und psychedelischem Pop ist oft mehr Konzept als überzeugender Song, und Velosos Experimente stolpern häufiger, als sie glänzen.

OMD auf ihrem Höhepunkt: „Joan of Arc“ und „Maid of Orleans“ sind Wave‑Klassiker von fast sakraler Wucht – schwebend, dramatisch, vollkommen zeitlos. Der Rest des Albums bewegt sich zwischen solider Elektronik, interessanten Soundexperimenten und dieser typisch britischen Mischung aus Melancholie und technischer Neugier. Ein Album, das zwei überragende Hymnen trägt und drumherum eine elegante, experimentelle Klangwelt baut.

Queen IIQueen

Rated 6/10

Es ist ein faszinierendes, aber noch deutlich unreifes Frühwerk. Man hört überall den späteren Größenwahn durchschimmern – die mehrschichtigen Harmonien, die dramatischen Songstrukturen, der Wille zum Monumentalen. Doch vieles wirkt noch wie die Suche nach dem kreisförmigen Würfel: ambitioniert, verspielt, aber nicht ganz geformt.

Die „White Side“ ist charmant, aber zerfasert; die „Black Side“ zeigt zwar mehr Charakter, verliert sich jedoch oft im barocken Überschwang. Das Album ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur späteren Meisterschaft, aber noch kein Ziel.

Die Beats sind stumpf, die Reime wirken hölzern, und der Groove zieht sich wie Kaugummi auf heißem Asphalt. Statt Energie gibt’s endlose Wiederholungen, statt Innovation ein zähes Durchhalten alter Formeln. Ein Album, das eher ermüdet als begeistert. Jedes Morresey Album muss 4Sterne mehr bekommen als dieser Ohrenschmerz.

GoldRyan Adams

Rated 8/10

Es hat diesen leichten Country‑Hauch, der Ryan Adams oft gut steht – warm, offen, unprätentiös. Die Songs sind solide, angenehm, aber selten wirklich zwingend. Ein breites Americana‑Album, das viel will, viel liefert, aber am Ende unspektakulär bleibt.

Es ist Emmylou Harris’ persönlichstes Spätwerk: fast komplett selbst geschrieben, mit einem modernen Americana‑Sound zwischen Folk, Country und sanften Ambient‑Texturen. Die Produktion bleibt weich und freundlich, ihre Stimme steht klar im Mittelpunkt.

Es ist ein schlanker, drahtiger Klassiker der New‑York‑Szene, der heute vor allem durch seinen präzisen, klaren 70er‑Klang auffällt. Television kombinieren nervöse Gitarrenlinien, Tom Verlaines spitzes Vibrato und eine fast mathematische Rhythmik zu einem Sound, der gleichzeitig kühl und hypnotisch wirkt.

Der Titelsong ist natürlich das Monument – ein endloser Gitarrenaufstieg, der sich wie ein nächtlicher Spaziergang durch Manhattan anfühlt. Doch als Album wirkt Marquee Moon manchmal etwas einseitig: brillant gespielt, aber emotional distanziert, mehr Kopf als Bauch.

Es ist ein schrammeliges, bewusst unpoliertes Indie‑Debüt: einflussreich, aber nicht durchgehend stark. Rau, charmant, manchmal einfach unfertig.

Kaum Arrangement, viel Atmosphäre, reine Sprache. Bird on the Wire ist ein leiser Klassiker, The Partisan trägt eine unerwartete Schwere, und Cohens Stimme wirkt hier noch unmittelbarer als auf dem Debüt. Das Album ist weniger abwechslungsreich, aber dafür intimer, fokussierter und poetisch sehr stark.

Es hat Wucht und Attitüde, aber viele Songs verschwimmen im dichten, matschigen Sound. Man hört das Potenzial, doch das Debüt bleibt eher ein Versprechen als ein Volltreffer.

This Year’s Model ist für mich ein typisches „so lala“-Album: bissig, nervös, voller Costellos Energie – aber nicht immer treffsicher. Die Attractions spielen scharf und kantig, doch vieles rauscht eher vorbei, als dass es wirklich hängen bleibt.

Es ist eleganter, kammerpopiger XTC‑Feingeist: reich an Streicherarrangements, sanft, detailverliebt und oft wunderschön. Gleichzeitig wirkt das Album stellenweise zu verträumt und verliert etwas an Spannung. Kunstvoll, aber nicht durchgehend packend.

Es ist sehr langes warmherziger, schöner Country‑Folk, getragen von Braggs Direktheit und Wilcos melodischem Feingefühl. Die Songs haben Charme und eine ruhige, zeitlose Qualität – wirken heute aber auch etwas aus der Zeit gefallen. Ein respektvolles, angenehmes Projekt ohne echten Glanzmoment.

Es ist ein schillerndes, leicht verwirrtes Stück Gitarren-Avant-Pop, das zwischen Psychedelic, Post-Punk und schrägem Jangle-Rock hin- und herspringt. Die Soft Boys klingen gleichzeitig verspielt und bissig, oft brillant in ihren Ideen, aber nicht immer fokussiert. Viele Songs haben großartige Hooks, doch die Mischung aus Nervosität, Ironie und Experimentierlust führt dazu, dass das Album eher fasziniert als wirklich packt.

The Colour of Spring ist der Moment, in dem Talk Talk ihre Synth‑Pop‑Wurzeln hinter sich lassen und etwas Organisch‑Leuchtendes schaffen. Die Songs wirken wie atmende Landschaften: warm, lebendig, voller feiner Details. „Life’s What You Make It“ trägt das Album nach außen, doch die wahre Stärke liegt im Zusammenspiel aus spiritueller Ruhe und musikalischer Präzision.